Wie können Personaldienstleister Social Media für sich nutzen? Social Media in der Personalbranche: Wo liegen die Chancen und Risiken? Welche Rolle spielen Social-Media-Plattformen wie Xing, LinkedIn oder neuerdings auch Facebook für die Jobvermittlung? Das beleuchtet Dr. Martin Reti, Social Media Manager bei dem Personaldienstleister BERA GmbH, in einem Gastbeitrag.

Der Personaldienstleister BERA GmbH ist in Social Media unter anderem auf Facebook aktiv.

„Mein Papa, der spielt den ganzen Tag im Internet“ – derart ernüchternd beschreiben meine Kinder meine Tätigkeit. Seit September 2011 bin ich Social Media Manager der BERA GmbH in Schwäbisch Hall. Die BERA ist ein Personaldienstleister, und der geneigte Leser kann sich schon vorstellen, dass Zeitarbeit als Thema für Social Media nicht ganz so sexy ist wie aluglänzende Limousinen aus deutscher Produktion, nicht so kultig wie Nussaufstriche und ein regionales Unternehmen auch nicht die Markenstärke von koffeinhaltiger Limonade oder Burgern entfesselt. Warum aber Social Media ganz gut zu einem Personaldienstleister passt und welche Potenziale Dialogplattformen bieten, möchte ich hier anreißen.

Social Media und Personaldienstleister – muss sein

Social Media passt gut zu einem Personaldienstleister und zu Personalvermittlung oder -überlassung. Und das sogar besser als zu anderen Branchen – auch wenn gelegentlich Studien das Gegenteil zu beweisen versuchen. Es ist offensichtlich, dass soziale Medien und Plattformen eine ständig wachsende Bedeutung für die Vermittlung in neue Jobs bekommen. Mit Xing und LinkedIn existieren immerhin (zumindest in DACH) zwei etablierte Netzwerke, deren Geschäftsmodell tatsächlich wesentlich um diesen Fakt kreist: Neuer Arbeitgeber, neuer Arbeitnehmer gesucht. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Facebook hat ebenfalls das Jobvermittlungs-Potenzial erkannt, das in seiner Plattform steckt.

Wie in kaum einer anderen Branche oder Unternehmensfunktionalität (HR/Recruiting) greift der Trend zum Sozialen in die operativen Geschäftsprozesse ein. Empfehlungen, Referenzen und Tipps hat es natürlich schon immer gegeben, aber soziale Netzwerke sind ein wirkungsvoller Katalysator für den Beziehungsaufbau zwischen potenziellen Arbeitgebern und -nehmern. Beide Seiten sehen, dass sie die virtuelle Welt über kurz oder lang nicht ignorieren können. Denn die Stellenanzeige allein wird mittelfristig niemanden mehr selig machen. Und damit werden Social Media als Plattformen der inoffiziellen Kontaktaufnahme und Beziehungspflege – auch für Josucher, -anbieter und -vermittler wie Personaldienstleister – Bestandteil des Geschäfts.

Personaldienstleister in der Social-Media-Sandwich-Position

Dabei befinden sich die Personaldienstleister und -berater in Social Media in einer nicht ganz einfachen Sandwich-Position. Zum einen sind sie über den Kundenkontakt im B2B-Umfeld, zum anderen sind potenzielle Mitarbeiter eine interessante Zielgruppe. In diesem kurzen Beitrag konzentriere ich mich auf diesen zweiten Teil.

Vor dem Start in Social Media sollten Personaldienstleister das Schiff sturmfest machen

Vor dem Start in Social Media gilt es für Personaldienstleister, das Schiff sturmfest zu machen. Mit Marketingparolen ist es dabei nicht getan. Eine fundierte und ehrliche Analyse über das Unternehmen ist wichtiger denn je. Denn soviel ist klar: In der Zeitarbeit lauert die Unzufriedenheit wie eine hungrige Raubkatze. Meistens sucht sie übrigens am Wochenende nach Beute. Vor dem Start muss dem Personaldienstleister daher klar sein, welche Herausforderungen warten, wo mögliche Angriffspunkte sind und wer im Unternehmen ihnen wie begegnen kann/soll. Wer die Social-Media-Kanäle für den Personaldienstleister verwaltet, muss also schnell für das Unternehmen sprechen können und gleichzeitig über einen heißen Draht in das operative Geschäft verfügen.

Dialog in Social Media zahlt auf Employer Branding ein

Der Aufbau einer Präsenz in den sozialen Netzwerken ist ein Gesprächsangebot, und genau so sollte der Auftritt auch geführt werden: Das heißt, dass der Facebook-Auftritt eines Personaldienstleisters durchaus als möglicher Reklamationsschalter verstanden werden kann. Gelassenheit hilft dabei schon einen Schritt weiter, denn ein negativer Beitrag ist noch lange kein Social Media Shitstorm. Im Gegensatz bieten gerade “kleinere“ Social Media Auftritte die Chance, dass Personaldienstleister (negative) Rückmeldungen schnell aufnehmen und bearbeiten können. Dazu gehört eben nicht nur das Kommentieren, sondern auch ein inhaltliches Ausräumen. Und Unternehmen bekommen gratis einen Einblick in die Gemütslage ihrer Mitarbeiter.

Der Umgang mit Beschwerden kann damit auch ein nicht unerheblicher Aspekt werden, wenn es darum geht, mit Social Media ein Employer Branding aufzubauen. Die Entwicklung einer digitalen Identität spielt gerade in der Vermittlungssituation eine wichtige Rolle. Immerhin begegnen nicht wenige Menschen der Branche der Personaldienstleister mit Misstrauen. Der Aufbau einer Vertrauensbasis ist also das Maß der Dinge, um als Personaldienstleister erfolgreich am Markt zu agieren.

Social Media definiert Personalbranche und Personaldienstleister neu

Social Media wird die Personalbranche allgemein, aber auch die Rolle der Personaldienstleister in diesem Beziehungsgeflecht, neu definieren. Eine Neugestaltung der operativen Prozesse, und die gezielte Entwicklung eines Employer Branding sind Schwerpunktthemen für die Dienstleister. Denkbar ist auch, dass wir neue Geschäftsmodelle entstehen sehen, beispielsweise das Training von Personalabteilungen für den Umgang mit den neuen Spielregeln in der Welt des Social Web.

Dr. Martin RetiÜber den Gastautoren:
Martin Reti (46) … spielt den ganzen Tag im Internet, sagen seine Kinder. Spaß beiseite, er ist Social Media Manager bei der BERA GmbH, einem Personaldienstleister und -berater in der Region Hohenlohe, Franken, Thüringen. Zudem bloggt er regelmäßig zu Social Media Themen. Er ist einer der Autoren des kürzlich erschienenen Fachbuchs „Recruting in Social Web (Sonja Salmen, Bernd Rath (Hrsg.))“

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