Ein Gastbeitrag von Eva Ihnenfeldt, Business Academy Ruhr.

Deutschland liebt es bekannterweise, auf Zertifikate und anerkannte Abschlüsse zu vertrauen. Ich finde diese Haltung gut, auch wenn wir dafür belächelt werden – unser strenges Ausbildungssystem wird im Ausland viel bewundert, da es für Qualität und verlässliche Normen spricht. Doch was ist mit dem taufrischen Berufsbild „Social Media Manager“? Ist da ein Zertifikat aussagekräftig? Und wie viele Stunden braucht man, um diesen Titel berechtigt zu tragen?

Seit Mitte 2011 bildet unsere Akademie (Business Academy Ruhr) Social Media Manager aus – nun auch mit IHK-Zertifikat und nach den Richtlinien des DIHK. Wir haben bisher über 70 Teilnehmer begleitet (Stand Oktober 2012), die Weiterbildung dauert 80 Stunden und ist berufsbegleitend. Grundlage für die Bewertung ist die Erarbeitung und Präsentation einer Kommunikationsstrategie (Aufwand ca. 20 bis 30 Stunden) – der Kurs schließt ab mit dem Zertifikat “Social Media Manager (IHK)”.

Unsere Erfahrungen: Absolventen sind meist Selbstzahler

Die meisten unserer Absolventen sind Selbstzahler. Unternehmen sind noch zurückhaltend damit, Mitarbeiter auszubilden – das mag auch am Ruhrgebiet liegen – wir sind vielleicht etwas konservativ. Für die Karriere ist die nachweisbare Weiterbildung so gut, dass diejenigen, die auf der Suche nach einer neuen Herausforderung waren, samt und sonders Erfolg hatten – was auch uns als Leiter sehr überraschte und freute.

Ausbildung zum Social Media Manager

Ausbildung zum Social Media Manager

Die zweite große Gruppe an Teilnehmern bilden PR- und Werbeagenturen, die ihr Produkt- und Leistungsportfolio erweitern wollen. Natürlich macht diese Zusammenarbeit besonders viel Spaß, da die Kommunikationsprofis meist sehr schnell erkennen, welche Vorteile und Chancen Social Media bietet. Außerdem ist es schön zu sehen, wie sich individuelle Leistungs- und Preismodelle entwickeln: Die einen Agenturen stellen Mitarbeiter für die Umsetzung von Social-Media-Strategien ein, die anderen konzentrieren sich auf Web-Architektur und intelligente Zusammenführung der verschiedenen Web-Auftritte ihrer Kunden.

Die dritte Gruppe (sicher auch typisch für uns Ruhrgebietler) sind Selbstständige und Inhaber kleiner Unternehmen. Diesen Menschen geht es darum, das eigene Unternehmen bestmöglich zu vermarkten, sich über virales Marketing, über die Unternehmens-Persönlichkeit und interaktive Dialoge ein Image aufzubauen und Kunden zu gewinnen/ zu pflegen.

Auch einige Fach- und Führungskräfte großer Unternehmen sind darunter, und ihnen allen geht es wirklich in erster Linie um das Kommunikationskonzept, das mein Kollege Holger Rohde und ich die gesamte Weiterbildungszeit über intensiv coachen. Ich bin immer wieder fasziniert, welche Alleinstellungsmerkmale, Strategien und kreative Maßnahmen dort entwickelt werden – ein Wunderwerk an Ideen. Bildern und Stories – und es zeigt so schnell Erfolge!

Nur 80 Stunden Zeit für die Ausbildung zum Social Media Manager

Nicht verschweigen will ich die Kehrseite der Medaille. Wir haben nur 80 Stunden Zeit für einen “virtuellen Kosmos”, der täglich um neue Facetten ergänzt wird. Es ist unmöglich, die künftigen Social Media Manager in dieser kurzen Zeit praktisch auszubilden – und hinzu kommt, dass es sich immer um sehr heterogene Gruppen handelt! Da sitzt der Profi neben dem staunenden Laien, der sich schnell vor Beginn des Kurses ein Facebook-, Twitter-, Xing und Google-Profil eingerichtet hat, aber noch keine weiteren Erfahrungen mit dem Social Web machen konnte.

Social Media heißt, sich gegenseitig zu unterstützen

Ich persönliche finde diese Heterogenität gut. Social Media heißt für mich, sich gegenseitig unterstützen und Stärken miteinander teilen, Netzwerke aufbauen und Wissen teilen. Wir als Akademie sorgen für die “Bodenbereitung” mit Facebook-Gruppen, Twitter-Telegrammen, einem Themenblog und einem wöchentlichen Newsletter. Alle zwei Monate veranstalten wir Web-2.0-Konferenzen mit Vorträgen – so dass auch weit über die Weiterbildung hinaus das Netzwerk lebendig bleibt und wächst.

Doch in jedem Kurs haben wir einige Teilnehmer, die sich über die heterogene Zusammensetzung beschweren. Wir warnen schon immer bei jeder Infoveranstaltung davor, dass man sich vor Vertragsabschluss darüber bewusst sein muss, dass die Voraussetzungen, Interessen und Wünsche sehr verschieden sind – aber leider erleben wir es trotzdem. Wir haben sogar schon überlegt, statt Präsenzunterricht Fernlehrgänge zu entwickeln, um dies zu vermeiden – aber das persönliche Erleben ist so wichtig!

Unsere sieben Dozenten sind nun schon sehr erfahren und können mit ihrer Kompetenz und ihrem Fachwissen viel ausgleichen – doch ganz lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass Anfänger-Nachfragen gestellt werden oder die Vorstellung eines komplizierten Monitoring Tools wiederholt werden muss. Was ich mir wünsche ist, dass mehr kollaborativ zusammen gearbeitet wird, dass die Fortgeschrittenen den Laien helfen und dadurch für ihre künftigen Aufgaben lernen, zu schulen und zu vermitteln (denn auch das gehört zum Berufsbild Social Media Manager dazu – Mitarbeiterführung!).

80 Stunden sind so wenig, dass leider nur wenig Raum für Gruppenarbeit bleibt. Ich habe ein 300 Seiten langes Social-Media-Buch mit lauter praktischen Aufgaben für unsere Teilnehmer geschrieben, um diesen Zeitmangel auszugleichen – und ein ausführliches ganz praktisches Handbuch zur Erarbeitung der Kommunikationsstrategie. Das wird sehr gut angenommen und von vielen studiert.

Leiter anderer Weiterbildungsorte für Social Media Manager bestätigen mir, die gleichen Probleme zu haben – denn die Einrichtung von homogenen Gruppen ist unmöglich. Denn nicht nur die technischen Voraussetzungen sind unterschiedlich – sondern auch die Ziele, Interessen, zukünftigen Aufgaben – homogen wird es wohl erst, wenn jeder bei sich allein zu Hause sitzt…

Ich weiß noch nicht einmal, ob eine einjährige Vollzeitausbildung die Rettung wäre – schließlich heißt Social Media, dass rasend schnell immer wieder neue Dinge passieren, dass vielleicht im nächsten Jahr die gesamte Landschaft schon wieder ganz anders aussieht, dass was heute noch wahr ist schon morgen nicht mehr stimmt.

Ich denke, die BARcamps, Twittwochs, BARsessions etc. zeigen in die richtige Richtung. Weiterbildungen zum Social Media Manager sind der Anstoß, ab da heißt es: Sich täglich informieren über RSS, Twitter und andere Quellen, sich häufig treffen, diskutieren und austauschen, und vor allem lernen, großzügig Wissen zu teilen und sich gegenseitig zu helfen – allein kommt im Social Web keiner weiter (ach ja, danke für diesen Gastbeitrag, der mit auf der Seele brannte ;) )

Eva Ihnenfeldt, Business Academy Ruhr GmbH

Eva Ihnenfeldt, Business Academy Ruhr GmbH

Über die Gastautorin: Eva Ihnenfeldt ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Business Academy Ruhr GmbH.

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