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Website Relaunch ohne Redirect: Eine häufige SEO-Sünde

von | 21.10.2018 | Web & Social Media |

Beim Relaunch von Websites achten Inhaber und Web-Agenturen viel zu selten auf den Erhalt eingehender Links. Mir ist das in diesen Tagen aufgefallen, als ich mich turnusgemäß auf mehreren Websites durch eine Vielzahl ungültig gewordener Links wühlte. Unheimlich viele externe Links, die zu anderen Unternehmen oder zu Blogs führten, waren auf diesen Websites ungültig geworden und führten nun ins Leere.

Nicht jeder Link muss erhalten bleiben

Dass sich Inhaber von Websites in Einzelfällen entscheiden, Inhalte ersatzlos zu streichen und eingehende Links damit ins Leere laufen zu lassen, kann ich nachvollziehen. Es lohnt sich nicht in jedem Einzelfall, eigens Umleitungen für abgelaufenen Content zu definieren. Manchmal möchte man sich als Website-Inhaber sogar bewusst von Inhalten distanzieren, etwa, wenn man falsche Prioritäten bei der Content-Erstellung im Blog gesetzt hat oder zu Dingen rankt, zu denen das einfach nicht passt. Ich habe derartige Erfahrungen schon selbst gemacht.

Daher wäre es übertrieben, sich auf den Standpunkt zu stellen, dass eine Website jeden eingehenden Link dauerhaft mit dem entsprechenden Inhalt oder wenigstens einer entsprechenden Umleitung auf den relevantesten Alternativ-Inhalt begrüßen muss. Es kann auch sinnvoll sein, zu sagen:

„Gibt’s hier nicht – Fehler 404. Lieber Besucher, schau doch bitte selbst, ob du etwas passendes findest.“

Recht schockierend finde ich aber Folgendes:

Bei vielen Websites wird gar nicht auf Weiterleitungen geachtet!

Ich checke um die 100 ausgehende Links und untersuche, warum sie jetzt ungültig sind. Ich finde: eine Handvoll Inhalte, die nur vorübergehend aktuell waren, bei denen ich nachvollziehen kann, warum sie nicht mehr da sind. Ich finde innerhalb dieser 100 Links aber eine Handvoll Websites, die für die Mehrzahl aller 100 geprüfter abgelaufender Links verantwortlich sind. Diese Websites begrüßen meine dorthin geschickten Besucher nicht deshalb mit einem 404-Fehler, weil sie nichts mehr Relevantes zu sagen haben. Nein: Der Inhaber bzw. die ausführende Web-Agentur haben trotz sachlicher und inhaltlicher Notwendigkeit ihre URL-Struktur verändert und dabei nicht an suchmaschinenfreundliche 301-Weiterleitungen gedacht.

Was können die Ursachen für veränderte URL sein?

  1. Wechsel des Content Management Systems oder Änderungen daran. Durchaus möglich, dass die URL einer Website in der Vergangenheit mit .asp, .html, .php oder anderen technischen Endungen versehen waren. Diese Endungen fallen mit Wegfall der entsprechenden technischen Lösung und Umstieg auf ein modernes Content Management System weg. Ich selbst hatte den Effekt vor einigen Wochen, als ich mich aus strategischen Gründen dafür entschied, künftig keine AMP-Varianten meiner Seiten mehr anzubieten. Die Folge ist dann, dass man zahlreiche URL im Google Index hat und evtl. auch Links darauf von anderen Websites, die unter der entsprechenden Adresse samt Endung nicht mehr auf dem eigenen Webserver erreichbar sind. Doch dafür gibt es Lösungen!
  2. Inhaltliche Änderungen (auch Änderungen an der Linkstruktur / den Unterordnern in der URL-Struktur). Denkbar ist auch, dass sich ein Website-Inhaber entscheidet, Zwischenschritte bei den URL wie beispielsweise /blog/ wegzulassen und, falls möglich und sinnvoll, diesen URL-Bestandteil zu entfernen. Kleine Änderung – große Wirkung, viele ungültige Links!
  3. Änderungen an Bezeichnungen, Begriffen usw. Manche Änderungen ergeben sich auch manuell, etwa, wenn Raider jetzt Twixx heißt, Piwik Matomo – oder wie auch immer. Dann ist zu überlegen, ob man tatsächlich alles umbenennen möchte oder ein anderer Weg nicht transparenter und ehrlicher ist – aber gut, es kann passieren.

Was ist die Folge, wenn URL sich ändern?

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass die alte Version der URL, die bei Google und anderen Websites bekannt ist, dann ungültig wird und den HTTP-Status 404 liefert. Das heißt: Aus Sicht aller Suchmaschinen und auch der Nutzer ist die URL nicht mehr hilfreich, sondern eine Fehlerseite ohne jeden Nutzen.

Dass manche Systeme wie unter anderem WordPress den komfortablen Service bieten, bei Umbenennung eines Seitentitels samt URL direkt eine suchmaschinenfreundliche 301-Weiterleitung zu setzen, führt bei vielen Personen, mit mit Website Relaunches und inhaltlichen Überarbeitungen betraut sind, offensichtlich zu einer fatalen Fehleinschätzung:

Es kann sein, dass das Content Management System automatisch eine 301-Weiterleitung setzt, aber man kann sich nicht darauf verlassen.

Vielmehr hat man als verantwortliche Person selbst die Pflicht und Aufgabe, zu überprüfen, was mit der alten URL nach der Änderung passiert. Welchen HTTP-Status liefert sie zurück? Mutiert die alte URL zur Fehlerseite oder liefert sie eine suchmaschinenfreundliche 301-Weiterleitung? Ein schlichter Praxistest – alte URL nach der ersten Änderung in den Browser eingeben – liefert einen ersten Anhaltspunkt. Frei verfügbare Tools wie httpstatus.io präsentieren die technischen Details in Form des zurückgespielten HTTP Status Code:

Wichtige HTTP Status Codes

  • HTTP Status 200 bedeutet: Alles in Ordnung, die URL ist normal erreichbar
  • Status 404 bedeutet: Fehler, nicht gefunden
  • Status 301 bedeutet: permanent weitergeleitet auf eine neue URL
  • Status 302 bedeutet: vorübergehend weitergeleitet

Was ich persönlich bei Website Relaunches regelmäßig mache: Rechtzeitig vor der Umstellung von der alten auf die neue Website führe ich eine Site Search durch und schaue mir an, welche URL der bisherigen Website ich im Google Index finde. Dazu tippe ich in das Suchfeld von Google „site:“ gefolgt von der entsprechenden Domain (ohne Leerzeichen) ein und erhalte eine Liste der URL, die aktuell im Index sind und in den Suchergebnissen angezeigt werden. Ich klicke diese URL selektiv an und überlege mir, wie sich das nach dem Relaunch verhalten würde. Liefert die neue Website unter den entsprechenden URL die gleichen Inhalte aus wie die bisherige Seite? Falls ja, dann ist alles fein. Falls nein, ist zu überlegen, ob es sich dabei um relevante, wertvolle Einträge in den Suchergebnissen handelt, die weiterhin abrufbar sein sollen.

In Search Console die Verlinkungen prüfen

Außerdem checke ich in Google Search Console, welche URL die meist verlinkten Seiten der entsprechenden Internetpräsenz sind. Sofern es sei bei den dort eingehenden Links nicht um Spam Links handelt, was in der Regel nicht der Fall sein dürfte, kommen diese URL ebenfalls in mein virtuelles Körbchen „erhaltenswerte URL“.

Im Anschluss überlege ich nochmals: Muss sich die URL durch den Website Relaunch eigentlich ändern? Kann sich nicht genau so bleiben, wie sie ist?

Weiterleitungen mit und ohne RegEx

Falls sie sich ändern muss und falls die Links und Rankings für den Kunden bzw. mich relevant sind, mache ich mich an die Definition von Weiterleitungen. Entweder URL für URL – einzeln – und auch dann, wenn das eine oder mehrere Stunden dauert. Oder aber, wie bei meinem oben genannten Beispiel, durch Rewrite Rules auf Server-Ebene. Dort kann ich sogenannte reguläre Ausdrücke (Regular Expressions, RegEx) verwenden, um beispielsweise zu definieren, dass jede URL, die bisher das Anhängsel /amp/ am Ende hatte, eine Umleitung auf die gleiche URL erhält, nur ohne das Anhängsel. Gleiches gilt beispielsweise für ebenfalls zuvor skizzierte Fälle, in denen man von URL, die mit .html enden, auf die gleichen URL weiterleitet, nur eben ohne .html am Ende.

Vier Vorteile sinnvolle Weiterleitungen beim Relaunch

Das Ganze ist, zumindest im Vergleich zu einem kompletten Website Relaunch, zwar Arbeit, aber wirklich keine unlösbare Aufgabe. Und dieses Vorgehen hat gleich mehrere Vorteile:

  1. Personen, die über Suchmaschinen kommen, erhalten die richtigen Inhalte und keine Fehlerseiten, auch nicht übergangsweise.
  2. Besucher, die über Links von externen Websites kommen, sehen die richtigen Inhalte statt einer 404-Seite.
  3. Die Betreiber anderer Websites, die so freundlich waren, auf unsere Website zu verlinken, werden nicht enttäuscht und frustriert, indem sie irgendwann feststellen, dass wir ihnen das Linkziel weggenommen haben.
  4. Suchmaschinen werden nicht irritiert und müssen nicht davon ausgehen, dass wir als Website-Betreiber kein Interesse mehr daran haben, zu dem entsprechenden Thema zu ranken.

Beim Relaunch nicht mühsam aufgebaute Verlinkungen zerstören

Ich war erstaunt, zu sehen, wie vielen Website-Betreibern die Erreichbarkeit ihrer URL nach größeren Änderungen an ihren Websites scheinbar völlig egal ist. Allen Website-Inhabern und -Dienstleistern möchte ich ans Herz legen, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, ein wenig mehr darauf zu achten, bei einem Relaunch nicht wie der Elefant im Porzellanladen Dutzende oder Hunderte mühsam aufgebauter Verlinkungen zu zerstören. Es ist gar nicht so arbeitsintensiv, wie man denkt – und am Ende macht des sogar Freude, zu sehen: Es lohnt sich, Rücksicht auf bestehende URL-Strukturen zu nehmen, wenn man an seiner Website etwas verändert. Das sieht man nämlich auch an Rankings und Traffic.

Ergänzender Hinweis: Manchmal kommt es auch vor, dass man sich ganz bewusst von einem Inhalt distanzieren möchte, etwa, wenn eine Website gehackt wurde. Mit dem HTTP-Status 410 kann man Suchmaschinen, Besuchern und Bots / Crawlern gegenüber eindeutig signalisieren: Diesen Inhalt gibt es nicht mehr, und das ist auch so gewollt.

Icon Werkzeug für URL Redirects

Beim Relaunch an Redirects denken

Wenn Sie die Struktur Ihrer Website ändern: Vergessen Sie nicht, sicherzustellen, dass wichtige URL weiterhin erreichbar bleiben. Sie riskieren sonst ungültige Links in den Suchergebnissen sowie auf anderen Websites. Dies frustriert Nutzer und schadet der Relevanz Ihrer eigenen Website.

Icon Lupe = Suche

Bisherige Website im Google Index checken

Mit der Google-Suche „site:“ gefolgt von der Root Domain der aktuellen Website sehen Sie, welche URL aktuell im Index stehen. Führen Sie eine solche Suche durch. Achten Sie darauf, dass die URL, die dort gelistet sind, auch nach Ihrem Relaunch (mit passenden Inhalten) erreichbar sind.

Icon Liste und Code

Liste mit Redirects anlegen und umsetzen

Stellen Sie sicher, dass Sie URL entweder Stück für Stück suchmaschinenfreundlich umleiten. Wo möglich, arbeiten Sie mit sorgfältig definierten Regulären Ausdrücken, um mehrere Weiterleitungen nach einem bestimmten Muster mit nur einer Regel einzurichten.

Icon Fingerzeig auf Bildschirm

Testen, ob alles funktioniert

Wenn Sie Ihre Redirect angelegt haben und die neue Website steht, machen Sie sich die Mühe, anhand der beschriebenen Site Search Ihre Suchergebnisse anzuklicken und zu prüfen, ob die eingerichteten Weiterleitungen funktionieren.

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