Bilder im Web - Der Schlüssel zum visuellen Storytelling

Langweilige Fotos sind online an der Tagesordnung -
warum wir das ändern sollten

Es tut mir leid,
aber ich empfinde die Bildsprache im Web als Beleidigung für das Auge.

Vor allem aber auch für die Kreativität.

Überraschende Motive? Fehlanzeige.
Ästhetik?
Keine Zeit jetzt, stattdessen: Weg des geringsten Widerstandes und kleinsten Aufwands.

Unternehmen verzichten darauf, durch einzigartige Bildsprache in Erinnerung zu bleiben.

Stattdessen werden stereotyp-langweilige Stockfotos verwendet.

Motive zur Bebilderung eines Beitrags zu beschaffen – das wird scheinbar gerne delegiert, zwischen Tür und Angel erledigt – oder ganz unterlassen.

Denn man hat ja eine Sammlung an Fotos für jede passende Gelegenheit auf der Festplatte.

Und dann baut man sie wieder ein, die üblichen Motive, politisch korrekt am besten.

Diversity-konformes Happy-Business-People-Gedöns.

Ich bin überzeugt,
durch den Verzicht auf den bewussten Umgang mit Bildsprache auf Corporate Websites und in Blog- und Newsbeiträgen verschenken Unternehmen jede Menge Möglichkeiten.

Sie verzichten darauf, sich zu unterscheiden. Verzichten darauf, die Leserschaft emotional anzusprechen.

Vor allem: Sie verzichten darauf, in Erinnerung zu bleiben.

Geschäftsmänner

Anonyme Geschäftsleute

stehen unmotiviert und gesichtslos herum und transportieren unsere Corporate-Botschaft ganz sicher nicht glaubwürdig zu den Zielgruppen.
Personen bilden ein Netzwerk

Gesichtslose Spielfiguren

stehen im Kreis, schauen auf oder ziehen an Pfeilen und abstrakten Symbolen – und sind allenfalls unfreiwillig unterhaltsam.

Computer-Nutzer vor blauem Hintergrund

und mit dem Schriftzug “Networking” hinter sich machen ganz sicher nicht glaubwürdig, dass der von uns publizierte Beitrag eine kompetente Bereicherung zum Thema Networking ist.

Gezeichnete Menschen vor sinnlosen Pfeilen

symbolisieren auf jeden Fall den verzweifelten Willen zum Erfolg – ob dieser Aussicht auf Erfolg hat? Man wünscht es den sympathisch gezeichneten Personen.

Visualisiertes Bullshit Bingo

macht auf jeden Fall etwas her, finden Sie nicht? Wie wäre es mit einer solchen Visualisierung auf dem nächsten Geschäftsbericht?

Unverzichtbar:

Der mit einem Stock in den Sand geschriebene Schriftzug “Success” signalisiert, dass es Ihnen wirklich ernst ist mit ihrem Streben nach beruflicher Erfüllung und geschäftlichem Erfolg.

Unentschieden?

Kein Wunder – bei dieser Auswahl an Visualisierungen.
Glühbirne als Symbol für eine gute Idee

Gute Idee?

Sollten Sie den kreativen Gedankenblitz des Jahrhunderts haben – die gute alte Glühbirne in stilisierter Form taucht in der Bildersuche häufig als Visualisierungsoption auf.

Daumen hoch -

Bei so vielen einfallslosen und wenig authentischen Bildern, die auf Unternehmens-Websites, aber auch in Präsentationen zu finden sind, gehört nur ein wenig Querdenken dazu, um es besser zu machen.

Sie glauben, ich möchte mich hier nur lustig machen? Mitnichten. Und ganz ehrlich: Ich habe gar nichts gegen Glühbirnen. Soll es denn eine Glühbirne sein, so finden Sie auf vielen Plattformen im Web Varianten, die sich positiv von der Clipart-Optik abheben.

Doch es kommt nicht nur darauf an, welches Motiv Sie auswählen – sondern auch darauf, wie Sie es anwenden. Bilder brauchen Raum, um zu wirken. Das Hinzufügen eines Visuals allein macht eine Präsentation oder Website weder kurzweiliger noch prägnanter.

Es kommt nicht nur darauf an, ob und wie viele Bilder man einsetzt – sondern vor allem darauf, wie man sie einsetzt.

Wenn Sie bis zu dieser Stelle gelesen haben, dann sind Sie weitaus überdurchschnittlich lang aufmerksam geblieben und nicht abgesprungen.

Woran kann das liegen?

  • Daran, dass Sie optisch immer wieder überrascht werden?
  • Daran, dass gängige Muster durchbrochen werden?
  • Daran, dass Spannung zwischen unterschiedlichen Motiven aufgebaut wird?

Langeweile ist tödlich

für die Bildsprache jeder Website – soviel steht fest. Wenn Sie wissen möchten, wie die Nutzer Ihrer Website auf den gebotenen Content reagieren: Schauen Sie sich einmal intensiver die Besucherstatistik an (Google Analytics, Piwik o.ä.).

Achten Sie dabei auf die durchschnittliche Besuchszeit pro Seite, auf die durchschnittliche Dauer eines Website-Besuchs insgesamt und auf die Absprungrate sowie die Ausstiegsseiten.

Identifizieren Sie Seiten, auf denen außergewöhnlich viele Leser aussteigen. Überlegen Sie, woran das liegen könnte.

Eine gute Idee ist auch die Nutzung sogenannter Heatmaps: Solche Statistikwerkzeuge erlauben Ihnen, den Website-Besuchern zu einem gewissen Grad über die Schulter zu schauen. Sie sehen, wie lange an welcher Stelle auf welcher Seite verweilt wird, wohin der Mauszeiger geführt wird, wo geklickt wird – und wo nicht.

Und Sie sehen auch, wie weit die Menschen auf Ihren Seiten überhaupt nach unten scrollen.

Jetzt aber nochmal zurück zum Strand, auf dem “Success” steht.

Schauen Sie sich diesen Strand hier an. Den großen – im Hintergrundbild. Dieser Strand ist dynamisch. Er verspricht Spaß, Freude, Bewegung, Sonne – eine gute Zeit.

Und vor allem: Auf diesem Strand steht nicht “success”.

An diesem Strand kritzelt kein verzweifelter Büromensch etwas in den Sand, der selbst im Urlaub nicht abschalten kann.

Daher kann ich ihn als Bildmotiv verwenden – und frei alles, was nicht ganz an den Haaren herbeigezogen ist, damit assoziieren.

Ich brauche keinen Strand, auf dem “success” steht. Ein Strand allein reicht völlig aus, und den Kontext zum Business kann ich allein über meinen begleitenden Text herstellen.

Bei Vorträgen zeige ich manchmal nur ein Stand- oder Bewegtbild ohne Text und erzähle den Kontext lediglich.

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Verzichten Sie auf konstruierte Stockfotos

Konstruierte Motive sorgen automatisch für Skepsis beim Betrachter.

  • Auf einem Strand steht selten “success”, und wenn, wären wir eher irritiert denn erfreut.
  • Das Thema “Networking” passt nur begrenzt zu einem Menschen, der angestrengt vor einem Rechner sitzt.
  • Eine Glühbirne hat i.d.R. keinen Einfall – und ist in Zeiten sparsamer LED-Beleuchtung nicht mal mehr eine gute Idee.
  • Wer eine Entscheidung treffen muss, stellt sich nicht mit verschränkten Händen vor ein Straßenschild und denkt nach.
  • Wer sich über einen schönen Erfolg freut, zeigt unter Umständen den “Daumen hoch”, schaut aber dabei nicht so kontrolliert und latent nervös drein wie die Dame weiter oben auf dem Stockfoto.

Wirklich gute Fotos kommen in der Regel ohne eine auf Biegen und Brechen hineinkonstruierte Aussage aus.

Konstruierte Stockfotos heißen zurecht Stockfotos – weil sie steif und spröde wie ein ein morscher Stock sind. Haben Sie Mut – nehmen Sie sich die Freiheit, scheinbar kontextlose, aber schöne Fotos zu verwenden.

Sie erinnern sich an dieses unrühmliche Beispiel für ein Stockfoto, das ich persönlich für suboptimal halte.

Überhaupt:
Die Natur

…bietet immer wieder wunderschöne Visualisierungen, egal, ob etwas ganz explizit “über den Klee” gelobt wird – oder ob etwas subtiler auf Hoffnung, Wachstum, Optimismus abgehoben werden soll.

Glauben Sie nicht auch, dass so ein satter, grüner Flash an der Leinwand oder auf einem Computerbildschirm viel mehr transportieren kann als abstrakte und inhaltsleere symbolische Charts, die nach oben zeigen? Oder schüchterne Models mit Daumen nach oben?

Mut zum Detail

Im Business geht es oft ums Geld. Nehmen wir an, Sie suchen nach einem Motiv, das genau dafür steht: $$$.

Auf Ihrer Suche nach passenden Motiven werden Sie genau das finden, was die meisten Menschen mit viel Geld assoziieren: Banknoten. Und zwar viele davon. Gern gebündelt, teilweise auch ungeordnet, aber immer wieder: viele Banknoten.

Die Alternative wäre, nur eine Banknote zu zeigen.

Noch besser: eine selten eingenommene Perspektive – wie hier im Hintergrund.

Einen Stapel Banknoten, 08/15-freigestellt, hat Ihr Publikum nach wenigen Sekunden wieder komplett vergessen. Ein markantes Closeup auf der detailliertest denkbaren Ebene könnte sich dagegen ein wenig besser einprägen.

 

Um die Ecke denken

 

Oder sie denken quer bzw. um die Ecke: Es muss ja nicht immer eine Geldnote sein.

Worin wird Geld transportiert? Zumindest im Film?

Nicht immer muss sich das Thema 1:1 im Motiv spiegeln – und manches Motiv können Sie (gegenüber unterschiedlichen Zielgruppen und bei unterschiedlichen Gelegenheiten) immer wieder verwenden.

Wenn Sie wüssten, zu welch unterschiedlichen Gelegenheiten ich diesen Koffer schon verwendet habe!

Mut zu Menschen

 

Gegenstände, Landschaften oder Katzen zu zeigen – das erschöpft sich irgendwann.

Menschen reagieren auf Menschen – und Sie können, wenn Sie Gesicht(er) zeigen, Ihre Botschaften viel besser auf der emotionalen Ebene transportieren.

Das hat sich herumgesprochen. Nur werden leider viel zu häufig Fotos mit Menschen ausgewählt, die dem Gehorsam vorauseilen: Alle lächeln (falsch), alle Kontinente sind vertreten (Stichwort Diversity), und am besten sind alle abgebildeten Personen hinter der freundlichen Fassade sichtbar angestrengt. Auf vielen Stockfotos scheinen sich die Akteurinnen und Akteure überhaupt nicht wohl in ihrer Haut zu fühlen.

 

Meiden Sie solche Fotos. Suchen Sie nach Motiven, auf denen Personen selbstbewusst wirken – und offensichtlich Freude am Fotoshooting sowie keine zu konformistischen Vorgaben hatten.

Erkennen Sie den Unterschied, den ich meine?

Ich finde, bei den folgenden Beispielbildern gibt es bemerkenswerte Unterschiede in Sachen Authentizität und Wirkung. Keines der Bilder war kostenpflichtig in der Lizensierung.

Wir fangen mal mit den aus meiner Sicht weniger geeigneten Bildern an und arbeiten uns dann langsam zu den besseren vor; empfinden Sie das ähnlich?

Frau hält ein Schild mit der Beschriftung
Frau sitzt ratlos vor einem Notebook
Frau im Büro freut sich
Pilotin mit Kopfhörer in Flugzeug
Frauen und Männer in Meeting
Mann humorvoll in buntem Shirt
Mann humorvoll in buntem Shirt

Mut zu Abstraktem

Je abstrakter das Thema, desto schwerer tun sich viele Publizierende, das Ganze zu bebildern. Da werden dann zu Themen wie IT Security und Hacking irgendwelche Masken oder andere dunkle Gestalten bemüht; ich gebe zu, das auch schon getan zu haben.

Ich finde, das ist oft gar nicht notwendig – denn Code ist Poesie. Technisches kann seine ganz eigene Ästhetik haben, und wenn sich jemand darauf versteht, wie hier einen Bildschirm gekonnt zu fotografieren, dann ist das doch bereits das ideale Motiv – ganz ohne allzu lange Suche.

 

Code, animiert

Woher die Fotos nehmen?

Es ist paradox: Noch vor wenigen Jahren war die Beschaffung ordentlichen Bildmaterials vor allem eine Kostenfrage. Heute bieten zahlreiche Plattformen gutes Material unter sogenannter CC0-Lizenz an. Diese besagt: freie Verwendung für jeden Zweck, auch ohne Quellenangabe.

Eine Website, die sich gut als Ausgangspunkt für Recherchen nach frei verwendbaren Fotos eignet, ist pexels.

Das klingt fast zu gut um wahr zu sein – und in der Tat ist Vorsicht geboten: Zwar finden sich auf den Plattformen klare Angaben zu den besagten Lizenzen, doch war garantiert, dass nicht Fotos dort hochgeladen wurden, die in Wirklichkeit gar nicht frei verwendet werden dürfen?

In diesem Fall würden allen Verwendern Abmahnungen und hohe Kosten drohen.

 

Fortsetzung folgt

Mit diesen Gefahren habe ich mich zwangsläufig auseinandergesetzt – und auch mit einigen weiteren Fallstricken, die das Thema Bebilderung im Web so bietet. Sie möchten mehr erfahren? Dann schauen Sie in einigen Tagen wieder vorbei – oder abonnieren Sie neue Beiträge per E-Mail. So verpassen Sie nichts.

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