Symbolfoto strukturierte Debatten in Social Networks: Bradford City Hall Bradford United Kingdom

Kialo: Social Network für echte Debatten

von | 11.06.2018 | aktuell

Kialo ist eine Vokabel aus der Kunstsprache Esperanto und bedeutet soviel wie Grund [Ursache, Veranlassung, Ausrede, Beweggrund], und während ich nicht glaube, dass dieses neue Social Network ein großer Hype wird, so wundert es mich schon, dass ich erst Mitte Juni 2018 von der Idee erfahren habe.

Denn an den Start ging das Projekt bereits ein dreiviertel Jahr zuvor. Lehrer und Professoren an Universitäten wie Harvard und Princeton nutzen es für Diskussionen und Übungen zum kritischen Denken. Für die Öffentlichkeit ist der Zugang inzwischen ebenfalls möglich, aber es gibt gewisse Qualitätsanforderungen an die Diskussion.

Visualisierte Debatte auf Kialo

Visualisierte Debatte auf Kialo

Kialo beschreibt sich als „speziell entwickeltes Werkzeug für kritisches Denken, nachdenkliche Diskussionen und kollaborative Entscheidungen“. Kernidee ist es, die Argumentation aller Beteiligten zu visualisieren, „die Perspektiven anderer verstehen und jeden Aspekt einer Diskussion erforschen“. Sechs Jahre hat die Vorbereitungsphase gedauert, und Gründer Errikos Pitso sagt, es habe ihn schon in Zeiten lange vor Bestehen heutiger Social-Media-Plattformen betrübt, wie laut und unsachlich der Ton im Web sei – in den damaligen Forendiskussionen.

Diskussionsbeiträge sollen auf Kialo zwar kurz und bündig sein, aber gehaltvoll. Bloße Kommentare, die keine konstruktive Aussage machen, sind nicht erlaubt.

Erste Nutzer haben sich – wie stets bei neuen Netzwerken – schon wieder verabschiedet, äußern Kritik: Er sei wieder abgesprungen, weil Moderatoren logische Argumentationsfolgen anderer Personen editieren könnten, schreibt ein enttäuschter Nutzern etwa auf LinkedIn. Das Ergebnis sei eine „verwirrende Diskussion um Echos oder Wellen von dem, was eine andere Person in der Vergangenheit gesagt haben könnte“.

Aktuell verkauft Gründer Errikos Pitsos weder statistische Daten noch monetarisiert er über Werbung. Der Weg zur möglichen Refinanzierung ist ein anderer: Eine solche Plattform mit strukturierten Argumentationsbäumen sei für Unternehmen und andere Organisationen interessant, sagt der Gründer. Er habe schon mehrere Anfragen erhalten. „Das funktioniert in einem Unternehmen viel besser als Meetings und lange E-Mail-Ketten“, so Pitsos gegenüber der Financial Times. Diskussionen würden strukturiert dargestellt, was ermögliche, schnell zu verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde.

Strukturierte Argumentationsbäume: Könnten auch für Unternehmen und andere Organisationen interessant sein

Strukturierte Argumentationsbäume: Könnten auch für Unternehmen und andere Organisationen interessant sein

Weitere Hintergründe im Interview mit Errikos Pitsos im Chronicle of Higher Education.

Kialo: Inspirierend.


Mir gefällt die Vorstellung sehr gut: Ein Social Network, das Diskussionen strukturiert darstellt, inspiriert – weil es allen Diskussionsteilnehmern ermöglicht, sich rasch einen Überblick zu Argumentationsketten zu verschaffen und stets beide Seiten einer Kontroverse abwägend zu beurteilen.

Kialo selbst ausprobieren


Kein Invite Only, sondern eine wirkliche Public Beta: Bei Interesse können Sie sich sofort und kostenlos bei Kialo anmelden und das Debatten-Netzwerk unter die Lupe nehmen.