Handy-Wanzen: Was dran ist

Der Spiegel berichtet online, dass Handys von der Polizei zur Wanze umfunktioniert werden können. Stimmt, nur neu ist die Information nicht: Im Rahmen eines bei connect erschienenen Artikels hatte ich darauf vor mehr als einem halben Jahr hingewiesen. Bereits am 27. November 2006 war, wie wenig später von cnet berichtet, in einem richterlichen Statement von Richter Lewis A. Kaplan. zu lesen, wie das FBI Handys als mobile Wanzen einsetzt. Offensichtlich haben auch die deutschen Behörden diese Berichte und vielleicht die eine oder andere Information über kommerzielle Schadsoftware zur Kenntnis genommen und geben nun stolz zu Protokoll, dass sie das “auch können”. Chapeau!

Technisch betrachtet ist das Ganze überhaupt kein Problem. Betrachten wir zunächst den Lauschangriff bei eingeschaltetem Gerät: Hier kann ein zuvor manipuliertes Handy Anrufe von bestimmten Rufnummern vom Nutzer unbemerkt annehmen und damit (in der Regel, dazu gleich mehr) unbemerktes Lauschen ermöglichen. Eine entsprechende Lösung teste ich im Moment interessehalber selbst, natürlich auf einem eigenen Gerät, das auch nur von mir genutzt wird.

Wenn die Firmware eines Gerätes entsprechend verändert wird, so ist ein Vorgaukeln des Ausschaltens, bei dem in Wirklichkeit Lauschfunktionen aktiv bleiben, ebenfalls kein Problem, es existieren Quellen, die solche Geräte liefern können.

Doch ist ein solches Szenario, unbemerktes Live-Lauschen via Handy durch den Staat, realistisch? Nein. Nicht im Geringsten. Denn in großem Stil ließen sich Lauschangriffe auf diese Weise kaum durchführen. Schließlich verursacht die Kommunikation zwischen Handy und Basisstation sehr häufig und vor allem im GSM-Modus (UMTS weniger) Störgeräusche in Geräten wie Radioempfängern. Würde Live-Lauschen mit Hilfe vermeintlich abgeschalteter Handys häufig eingesetzt, dann wäre schon längst nicht nur ein Betroffener darauf aufmerksam geworden, dessen Handy Störgeräusche im benachbarten Radio, PC-Lautsprecher oder ähnlichen Geräten auslöst, obwohl es vermeintlich ausgeschaltet ist. Wer würde da als Betroffener nicht skeptisch? Kein professioneller Abhörer würde sich in großem Stil auf eine so leicht ad absurdum zu führende Lösung verlassen, er würde ja geradezu seinen Kopf riskieren, da der Lauschmechanismus sehr rasch öffentlich bekannt würde.

Grund zur Entwarnung ist das allerdings nur kurzfristig. Denn theoretisch ließe sich dieser Effekt durch eine reine Aufnahmefunktion im Hintergrund umgehen. Diese Funktion würde dann bei vermeintlich ausgeschaltetem Handy erst einmal nur alle Umgebungsgeräusche aufzeichnen. Das als Sounddatei abgespeicherte Ergebnis würde dann erst bei wieder eingeschaltetem Handy im Hintergrund als komprimierte Datei via GPRS oder UMTS in etlichen kleinen Portionen übertragen. Der Betroffene hätte hier keine Chance mehr, verdächtige Störgeräusche in Radios usw. durch Funkübertragungen auszumachen. Doch auch hier lauern wieder viele Herausforderungen: Damit der betroffene Kunde beim Blick auf seine Handyrechnung sich nicht über hohe Datenübertragungskosten wundert, müssten Staat und Netzbetreiber hier enger zusammenarbeiten als ich mir das bis vor kurzem noch vorstellen konnte.

Weitere Brisanz bringen künftig Firmware-Updates over the air. Insider bestätigen, dass beispielsweise in den USA Firmware-Updates auch ohne Zustimmung und Wissen des Handynutzers erfolgen können, da der Nutzer hier häufig nicht Eigentümer, sondern nur Leinehmer der Hardware ist. Und in solchen Szenarien ist ein heimliches Installieren von Lauschcode natürlich überhaupt kein Problem mehr. Generell lässt sich beobachten: Betriebssystem-Updates via Internet, egal ob drahtgebunden oder via Festnetz, greifen immer stärker in die beim Endkunden laufenden Systeme ein – bis hin zum ungefragten Reboot mit Datenverlust in browserbasierten Anwendungen, wie ihn der geschätzte Kollege Peter F. Meyer aus Österreich beklagt.

Nachtrag: Die ganze Chose erinnert mich an eine amüsante Geschichte aus dem Jahr 2002, als die Frankfurter Rundschau Folgendes berichtete:

“Bei der Telefonüberwachung in Deutschland hat es eine schwerwiegende Panne gegeben. Aus Telefonrechnungen war zu schließen, dass Anschlüsse abgehört wurden. Die Belauschten wurden dafür sogar zur Kasse gebeten.

BERLIN, 30. Oktober. Die Computerpanne bei einem Telekommunikations-Unternehmen macht den deutschen Sicherheitsbehörden zu schaffen. Verdächtige, deren Telefon abgehört wurde, erhielten vom Mobilfunk-Anbieter O2 im Monat Oktober ungewöhnliche Rechnungen. Sie enthielten zahlreiche “abgehende Mailbox-Verbindungen” zu der immer gleichen Festnetz-Rufnummer. Wer sie wählt, hört den Satz: “Sie sind leider für diesen Anruf nicht berechtigt.” Denn es handelt sich um eine Nummer, über die die Sicherheitsbehörden belauschte Gespräche aufzeichnen. Die Beträge für diese angeblichen Verbindungen wurden den Abgehörten in Rechnung gestellt.”

Hilfreich: Feedburner

Wer Sites mit RSS-Feeds betreibt, der sollte Feedburner einen Besuch abstatten: Das von google übernommene Unternehmen hat mich in den letzten Tagen beeindruckt. Zum einen, weil deren Services die RSS-Feeds (nicht nur) von WordPress um viele Möglichkeiten erweitern:

  • Statistik – Feed-Abonnenten, Klickrate der Beiträge. Statistik fürs eigene Blog.
  • viele Zusatzfunktionen für Feed und Site, u.a. komfortables Anbieten von Social Bookmarking, Einbindung externer Datenquellen (Flickr, delicious, furl, Bloglines usw.)
  • Newsletter-Funktion: Wer WordPress für die Aussendung von E-Mail-Newsletters als Alternative zu RSS benutzt, der kann ein Lied davon singen: Benutzt man Plugins wie subscribe2, dann kann es sein, dass nach einem WordPress-Upgrade nichts mehr funktioniert. Erst gestern habe ich wieder im Autorenblog nachlesen und von Hand im PHP-Code editieren müssen. Da scheint die Nutzung gehosteter Lösungen wie Feedburner eine sinnvolle Alternative.

Zudem hat google alle Feedburner-Services, auch die PRO-Statistiktools, vor wenigen Tagen kostenlos gemacht. Gewiss, für die Konkurrenz ist das bitter. Für den Kunden jedoch nicht – ich nutze die Feedburner-Services seit einigen Tagen und bin sehr zufrieden. Das gilt übrigens auch für den Support – auch wenn das Forum des Anbieters auf den ersten Blick nicht den Eindruck erweckt, als würde dort schnell reagiert.

Computer sollen das Vergessen lernen

Einmal veröffentlicht, immer online. Einmal am Flughafen oder sonstwo von Scannern jedweder Couleur erfasst, für immer gespeichert. Wo soll das noch enden?

Ich finde die Forderung von Viktor Mayer-Schönberger, Professor an der Harvard’s JFK School of Government, nachvollziehbar: Computer und Netzwerke sollen auch vergessen können. Er schlägt vor, dass Dateien wie Fotos und Texte, die unter anderem von Privatpersonen publiziert werden, von eben diesen mit einem Ablaufdatum versehen werden können. Ich finde das eine ethisch absolut gute Idee. Sogar ein Bürgerrecht. Die Argumente bei ArsTechnica dazu: sehr interessant, aber zum Teil grob unsachlich und unfair:

“An excellent idea. We can begin by forgetting professor Mayer-Schönberger.”

Also nein. Ich finde, dass er Recht hat.

Push-Mail gratis – und der Datenschutz?

Emoze-WebsitePush-Mail via Blackberry war bisher mit hohen monatlichen Kosten verbunden und damit ein Statussymbol. Nun kommen Schritt für Schritt Gratis-Angebote auf den Markt: Nach ThinPrint/Cortado bietet nun auch emoze eine kostenlose Lösung an. Stutzig macht mich allerdings die Datenschutzerklärung, wo es unter anderem heißt:

4. Transfer of Personal Information
In order to provide you with The Service or other services you have requested, emoze may sometimes, if necessary, share your Personal and Traffic Data with carriers, partners, service providers, and / or agents; for example with a distributor of emoze Software and / or the Service, and / or a third party banking organization, and / or other providers of payment services

Und:

10. How long is Your Personal Data kept by emoze?
emoze will retain your information for as long as is necessary to: (1) perform the Service; (2) carry out emoze marketing activities; (3) comply with applicable legislation, regulatory requests, and / or relevant orders from the courts; or (4) fulfill any of the other purposes detailed in this Privacy Statement.

Meine persönlichen Daten und meine Verbindungsdaten werden also so lange gespeichert wie das für die Marketingaktivitäten der israelischen Firma erforderlich ist? Na danke. Oder sehe ich das zu kritisch?

“Das semantische Web wird scheitern”

Aus erster Hand durfte ich 2004 anlässlich der Verleihung des finnischen Millenium Price an Tim Berners-Lee, der als Vater des Web gilt, mehr über seine Vision vom künftigen semantischen Web erfahren. Wissen wollte ich von Berners-Lee insbesondere, inwiefern Handys und andere mobile Endgeräte in diesem semantischen Web eine Rolle spielen könnten, indem sie als Content-Generatoren mit ihrem Kameras, Sensoren und Ortungsmöglichkeiten zusätzliche Metadaten liefern. Auf jeden Fall sei dies realistisch, so die Antwort.

Stephen Downes dagegen arbeitet für den kanadischen National Research Council, Institute for Information Technology, und hat mit seinem kritischen Beitrag nun für Wirbel gesorgt: Das semantische Web sei zum Scheitern verurteilt, so seine These. Weil konkurrierende Unternehmen für ein erfolgreiches semantisches Web zusammenarbeiten müssten. Und nicht zuletzt, weil der Internet-User heute trotz oder gerade wegen aller MySpaces und Flickrs immer skeptischer werde. Die Zukunft des Web sieht Downes nicht in einer immer weiter reichenden Vernetzung mit maschinenlesbaren Metadaten, sondern ganz im Gegenteil: “Die Zukunft des Internet liegt im Personal Computing.”

Kernpunkte: “We are talking about the most conservative bunch of people in the world, people who believe in greed and cut-throat business ethics. People who would steal one another’s property if it weren’t nailed down. People like, well, Conrad Black and Rupert Murdoch. And they’re all going to play nice and create one seamless Semantic Web that will work between companies – competing entities choreographic their responses so they can work together to grant you a seamless experience? Not a chance.”

Blog von Stephen Downes